| Tucholskys Ableben |
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| Freitag, den 30. Mai 2008 um 16:02 Uhr | |
Tucholskys AblebenAls am 13.01.1935 in der Abstimmung an der Saar 90% für das Hitlerreich stimmten sah Tucholsky seine schlimmsten Befürchtungen bestätig. Diese politischen Ereignisse wirkten auf ihn sehr deprimierend, obwohl er ständig aus Selbstschutz beteuerte, das ihn das nichts mehr angeht. In den Briefen an seine Schweizer Freundin Nuuna glaubt Tucholsky, dass er niemals mehr etwas Großes schreiben könnte. Nuuna versuchte Tucholsky von einer regelmäßigen Beschäftigung zu überzeugen z.B. in einem Buchladen oder in einem Verlag. Tucholsky sollte sein Gefühl der Zwecklosigkeit allen Tuns überbrücken. Tucholsky Briefe an Nuuna sind mit der Zeit regelrechte Kommentare geworden. Ende des Sommers 1934 legte er den Briefen gesonderte Mitteilungen bei, die sogenannten Q-Tagebucher (Q = ich quatsche). In den Q-Tagebüchern schreibt Tucholsky seine Meinungen über verschiedene Dinge. Am 25. November schreibt er an Nuuna „Mit mir ist nicht viel los, ich fühle mich nicht sehr gut, und ich habe das bis zum Sterben satt, alles Miteinander“ Am 30. November erhielt er über seinen Göteborger Anwalt die Nachricht, das sein Einbürgerungsversuch von den Behörden abgelehnt worden war. Dies bedeutet weitere 7 Jahre Wartenzeit. Worauf sollte Tucholsky warten? Er musste sich von Nuuna schon Geld leihen, weil er pleite war. An diesem Tag setzte er sein Testament in endgültiger Form auf. In dem er sein Vermögen seiner zweiten, von ihm geschiedenen Frau Mary vermacht. Am 11. Dezember schrieb er Nuuna einen Bericht in völlig depressiver Stimmung: „ Es ist so, dass ich down bin, dass mir alles gleichgültig ist.“ Wenige Tage später geschah das Unerwartete Tucholsky fand sein kämpferisches Temperament wieder. Der Grund, Knut Hamsun, sein literarisches Idol in der Jugend war Parteianhänger des Nationalsozialismus geworden. Er schickte sogleich über Nuuna einen Brief an die Redaktion der Basler Nationalzeitung. Er wandte sich auch an das Arbeiderbladet in Oslo. Nuuna schreibt er: „Hoffentlich lassen sie mich heran. Diesmal kann ich das Maul nicht halten.“ Am Todestag, dem 21. Dezember 1935 schreibt er entschlossen an den Norwegischen Studentenbund einen zweiseitigen Maschinen geschriebenen Brief. Es war sein letzte Äußerung. Sie war ein Dokument kämpferischer Haltung zur Verteidigung eines aufrechten Mannes. In dem Brief rechnet Tucholsky mit Hamsun ab, der ihn tief enttäuschte. Die Briefe vor seinem Tod ließen auf eine aktive und eine relativ stabile Verfassung schließen. Um so unverständlicher ist sein Schritt von der Aktiven zur völligen Gleichgültigkeit gegenüber dem Leben. Am 21. Dezember fand Gertrude Meyer gegen 16 Uhr den bewusstlosen Tucholsky vor. Sie brachte ihn mit dem Taxi ins Göteborger Sahlgrenska-Krankenhaus. Die Rettungsmaßnahmen blieben erfolglos. Die Diagnose des Krankenhaus „Intoxicatio“ ist mit einem Fragezeichen versehen. Den Ärzten gab Gertrude Meyer die Auskunft, das Tucholsky gestern Abend deprimiert war. Nach Aussage Gertrude Meyers soll auf dem Nachttisch ein Zettel gelegen haben mit französischem Text: “Laß mich in Frieden sterben.“ Es sollen Abschiedsbriefe an Gertrude Meyer und Hedwig Müller vorhanden gewesen sein. Gertrude Müller hat, nach eigener Aussage, ihren Brief vernichtet. Es bleiben aber noch eine Reihe offener Fragen. Warum hat ein Mann mit hohem persönlichem Mut und großer Charakterstärke kein Wort des Abschieds an seinen Bruder Fritz verfasst. Tucholsky hatte für ihn das ganze Leben lang gesorgt und sich für ihn verantwortlich gefühlt.
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| Aktualisiert ( Samstag, den 16. August 2008 um 14:43 Uhr ) |
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Sein guter Freund Walter Hasenclever, der ihn im Februar besuchen wollte, erhielt auch keinen Abschiedsbrief. In der gleichen Woche erhielt Paul Graetz einen Brief von Tucholsky, aber ebenfalls kein Wort des Abschieds. Nuuna erhielt als Weihnachtsgeschenk eine bunte Ziege aus Holz mit einen beigelegtem Zettel: „Die Ziege der Ziege“. Aufgrund dieser offenen Fragen deuten schwedische Antifaschisten gegenüber Jochen Reinert, langjähriger Korrespondent der Zeitung Neues Deutschland in Schweden an, dass sie davon überzeugt wären, dass Tucholsky einem Mordanschlag nationalsozialistischen Agenten zum Opfer fiel. Diese Meinung vertritt auch Walter Mehring. Bislang konnten diese Mordtheorien nicht bewiesen werden. Einige Bekannte und Nachbarn trafen sich eine Woche nach seinem Tod zu einer kleinen Gedenkfeier für Tucholsky. Vor der Einäscherung hielt ein Pfarrer noch eine kurze Rede. Die von Gertrude Meyer benachrichtigten Freunde antworteten mit Trauer, Bestürzung und Verehrung. Auf seinen Wunsch wurde er unter einer schwedischen Eiche, unter einem Steinblock begraben, ohne Blumen und Bepflanzung, (siehe Bild). Das Grab befindet sich auf einem Friedhof, den er in seinem Buch "Schloss Gripsholm" beschrieb.




