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Die Letzte der Familie Tucholsky PDF Drucken E-Mail
  
Dienstag, den 17. Juni 2008 um 16:24 Uhr
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Kurt Tucholsky

Die Letzte der Familie Tucholsky

Autor: Eckhard Spoo, in Ossietzky-Blätter. 11/2001 S. 367 – 370)

Brigitte Rothert speist gern in der »Restauration Tucholsky« an der Torstraße, Ecke Tucholsky Straße im Berliner Bezirk Mitte. Da ist alles frisch, was der Koch in die Topfe und Pfannen füllt, die Zubereitung braucht ihre Zeit, und derweil können sich die Gäste an Tucholsky-Zitaten, an Fotos des Dichters und allerlei Dokumenten aus seinem Leben ergötzen. Die Wände des Lokals sind voll davon.

Gern besucht Brigitte Rothert auch die Tucholsky-Bibliothek an der Esmarchstraße im Stadtteil Prenzlauer Berg. Und sie lässt keine Vorstellung des Zimmertheaters Karlshorst im Stadtteil Lichtenberg aus, wo ihr Freund Wolfgang Helfritsch als Regisseur und Hauptdarsteller wirkt; der ist wie sie in der Kurt-Tucholsky-Gesellschaft aktiv und hat einen Tucholsky-Abend im Repertoire. Eng ans Herz gewachsen ist ihr in den letzten Jahren eine Gesamtschule in Minden (Westfalen), die nach Tucholsky benannt ist. Wenn sie dort oder anderswo temperamentvoll über »Kurtchen« redet, kann es so klingen, als wäre er ihr Neffe gewesen und als hätte sie ihn in seinen frühesten Jahren auf ihren Knien geschaukelt. Eher hätte er, ein Vetter ihrer Mutter, sie schaukeln können, wenn er Deutschland nicht schon vor ihrer Geburt 1928 verlassen hätte. Aber sie erinnert sich an einen Besuch bei seiner Mutter 1939 in Berlin: ihrer Großtante Doris, deren Leben vier Jahre später im KZ Theresienstadt endete.

Was die letzte Überlebende der Familie über den berühmten Autor zu erzählen hat, ist zum Teil angelesen, aber sie vermittelt es so lebhaft und lebensklug, so frei von andächtigen Tönen, so direkt und gelegentlich auch ein bisschen schnoddrig, dass es eine Freude ist, ihr zuzuhören; und sie kennt sich in dem Thema wirklich gut aus. Ihre wichtigste Geschichte jedoch, auf die sie nicht so schnell zu sprechen kommt, ist die ihres »arischen« Vaters und ihrer »jüdischen« Mutter und des einzigen gemeinsamen Kindes: ihre eigene Geschichte.



Aktualisiert ( Dienstag, den 17. Juni 2008 um 17:26 Uhr )