KTG-Minden

Interview mit Alla Agijewitsch PDF Drucken E-Mail
  
Dienstag, den 02. Dezember 2008 um 20:16 Uhr

mit dem SchulleiterInterview mit Alla Agijewitsch

Gastlehrerin an der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule

Wir haben mit Alla A. ein nettes Interview geführt. Sie ist verheiratet, Mutter von zwei Töchtern ( 19 und 16 Jahre alt ) und Deutschlehrerin an einer Dorfschule im Gomel-Gebiet, Belarus.

Was ist eine Dorfschule in Weißrussland?

Eine kleine Schule mit 150 Schülern und 20 Lehrer/innen.

Wie haben Sie so gut die deutsche Sprache gelernt?

Zuerst habe ich Deutsch in der Schule gelernt, danach Deutsch an der Universität in Minsk studiert.

Welche Religion haben Sie und welche Religionen gibt es in Weißrussland?

Ich selbst bin nicht religiös. In Belarus ist die am meisten verbreitete Religionen das russisch-orthodoxe und das katholische Christentum. Bestimmt leben auch noch Menschen anderer Religionen, aber nicht so viele.

Nein, natürlich gibt es alle vier Jahreszeiten. Wir haben einen schönen Sommer. Im Winter ist es manchmal kalt, bis zu minus 15 Grad C. Aber nur für ein paar Tage. Wir heizen auf dem Land mit Holz und Torf. In den großen Städten wird die zentrale Heizung erst am 1. Oktober in den Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern angestellt. Für die privaten Haushalte erst später.

altmit Stefan Straube-Neumann vor dem Weltladen

Jede/r muss eine Fremdsprache lernen. Man lernt in den Schulen auch Englisch, Französisch und Spanisch. Dabei hat sich unsere Schule auf die deutsche Sprache spezialisiert. Die meisten Schüler lernen in Belarus aber Englisch als Fremdsprache.

Wie lange gehen die Schüler in Weißrussland zur Schule

An jedem Tag von 8.30 Uhr bis manchmal 14/15 Uhr. Die Schule führt sie bis zur Klasse 9. Wer auf die Hochschule gehen will, muss bis Klasse 11 lernen.

Wie viel Ferien gibt es in Weißrussland?

Drei Monate im Sommer, eine Woche im Herbst, eine Woche Frühlingsferien, zwei Wochen im Winter.

Wie steht es um den technischen Fortschritt?

<Es gibt mehr Landwirtschaft und weniger Industrie in unserem Kreis, aber auch bei uns lieben es die Jugendlichen, mit ihren Handys zu telefonieren, im Internet zu surfen.

Was finden Sie in Minden gut?

altmit Siegfried Menze von der Aktionsgemeinschaft Friedenswoche

Unsere Währung ist der weißrussische Rubel.

( Sie zeigt uns einige Geldscheine mit hübschen Bildern und Zahlen von 10, 50 und 100 - und lacht )

Sie sind aber nicht viel wert. 3.000 Rubel sind ungefähr 1 Euro.

Wir haben eine schöne Natur und wir sind stolz auf unsere guten Sportler – Turner/innen, Eishockey – wie andere Länder auch. Wir exportieren riesige Traktoren und haben auch bekannte Naturschutzgebiete.

<Ja, bei uns heißt er „Väterchen Frost“. Aber er bringt zusammen mit seiner Enkelin Snjegurotschka am Silvesterabend die Geschenke – nicht am 24.12.

Alla wird noch drei Wochen in Minden bleiben und wir sind gespannt auf ihren Erfahrungsbericht am Ende ihres Aufenthalts.

Tja Alla, nun bist Du fast drei Wochen in Minden. Welche Erfahrungen hast Du in der Schule gemacht?

<Viele interessante Erfahrungen habe ich gemacht.

Kannst Du einige nennen?

Es war für mich neu, dass hier in einigen Klassen behinderte und nicht-behinderte Kinder zusammen lernen. Behinderte Kinder werden nicht ausgegrenzt und können sich dazugehörig fühlen. Die Doppelstunden ohne Pause sind für mich auch ungewöhnlich. Ich habe festgestellt, dass die Lehrer in solchen Stunden mit den Kindern gut neue Themen besprechen können. Beeindruckt haben mich die Deutsch-Förderstunden: Die Kinder üben hier intensiv Rechtschreibung und Grammatik. Interessant war auch das partnerschaftliche Gespräch zwischen Lehrern und Schülern, wenn sie die Themen möglichst selbstständig bearbeiten.

altim Unterricht der Klasse 5b

Hast Du etwas beobachtet, was Dir nicht gefallen hat?

Ich habe mich gewundert, dass es manchen Schülern nichts auszumachen scheint, wenn um sie herum eine Menge Müll liegt und es ziemlich schmutzig ist.

Hast Du auch die Stadt Minden und die Umgebung kennengelernt?

altmit Uta Betzold und Thomas Christoph ( Fachbereich Jugend )

Sehr lehrreich waren für mich die Gespräche mit einigen Mitarbeitern in den Jugendzentren, dem Jugendamt und weiteren Mindener Gruppen. So besuchte ich die Aktionsgemeinschaft Friedenswoche und den Weltladen. Die Mitarbeiter haben mich mit ihrem Engagement beeindruckt.

altAlla engagiert beim Kickern im Jugendhaus

Mit Elisabeth Lasareff habe ich das Kaiser-Wilhelm-Denkmal besucht, mir die Umgebung „von oben“ angeschaut. Zum ersten Mal war ich auf dem Weihnachtsmarkt in Minden. Ausflüge nach Hannover, Köln und Aachen haben mir ein gutes Bild von Deutschland vermittelt.

Was änderst Du an Deiner Schule, wenn Du wieder zuhause bist?

In erster Linie werde ich versuchen, die neu erlebten Unterrichts- Methoden in der Heimat auszuprobieren. Ich bin gespannt, wie meine belarussischen Schüler darauf reagieren.

Noch etwas?

Ich möchte mich auf diesem Wege bedanken bei allen Lehrer/innen, deren Unterricht ich besuchen konnte. Alle waren sie freundlich, offen und hilfsbereit. Einen besonders herzlichen Dank an Elisabeth Lasareff, bei der ich die ersten zwei Wochen gelebt habe, und an Klaus Lindemann, der auch für mich verantwortlich war und viel mit mir unternommen hat.

Gisela, Michelle, Laura,
Christopher, Carl, Emil, Klaus

Aktualisiert ( Dienstag, den 02. Dezember 2008 um 21:18 Uhr )