|

Einmal Minden - Prag und zurück
Ein Erlebnisbericht unserer Studienfahrt im Jahrgang 12
Die geplante Abfahrt morgens um 6.00 Uhr in der Pöttcherstraße klappte natürlich nicht, eine Schülerin hatte verschlafen (wie ich finde ein guter Durchschnittswert bei 65 Schülerinnen und Schülern), aber um 6.30 Uhr ging es schließlich los. Die Schüler waren zwar noch recht müde, aber bestens gelaunt und voller Erwartungen, was wohl in den kommenden Tagen auf sie zukommen würde. Die Fahrt nach Prag verlief reibungslos und sehr zügig, je näher wir dem Zielort kamen, umso besser wurde das Wetter, bis wir schließlich gegen 15.00 Uhr bei hochsommerlichen Temperaturen und blauem Himmel den Stadtrand von Prag erreichten.
Der erste Eindruck der Stadt war zunächst einmal ernüchternd und eigentlich auch nur, wenn man ehrlich ist, mit der Kombination blauer Himmel und Sonnenschein zu ertragen. Marode Häuser, die für die Stadtrandgebiete von Prag typischen Plattenbausiedlungen, zum Teil ebenfalls in einem beklagenswerten Zustand, prägen das Vorstadtbild der Stadt. Uns beschlich ein mulmiges Gefühl, wir fragten uns, was uns wohl in unserem Hotel erwarten würde. Schneller als gedacht waren wir am Ziel, vor uns zu sehen das TWIN OPATOV Hotel bestehend aus zwei Hochhäusern, das eine kleiner und ein bisschen moderner, das andere höher und ein bisschen älter. Natürlich war für uns eine Etage im etwas höheren und auch etwas älteren und mit Sicherheit nicht so komfortablen Hochhaus in der 11. und 12. Etage gebucht. Schnell stellten wir fest, dass die Fahrstühle funktionierten, Toiletten und Duschen erwiesen sich als benutzbar, in den Betten konnte man zumindest für vier Nächte gut schlafen. Für allgemeine Belustigung sorgte die Inventarliste der Apartments, die von uns allen ausgefüllt werden musste. Es konnte sich bei diesen Zetteln eigentlich nur um eine Verwechslung handeln, denn ein Fernseher, Weingläser und andere aufgeführte Gegenstände waren schlicht und ergreifend nicht vorhanden, sodass wir fast alle eine Liste mit Kreuzen abgegeben haben. Glücklicherweise spielte diese Inventarliste dann auch keine Rolle mehr. Die Schüler begriffen schnell, dass für umgerechnet 20€ für eine Übernachtung inclusive Halbpension mehr Luxus nicht zu erwarten war und verloren während der ganzen Zeit auch kein Wort mehr darüber.
Nach unserem ersten Abendessen im Hotel fuhren wir mit der U-Bahn in die Innenstadt und die Schüler staunten nicht schlecht, welches Kontrastprogramm der Stadt Prag sich ihnen mit dem Aussteigen aus der U-Bahn bot. Das traditionsreiche Nationalmuseum überstrahlt den Wenzelsplatz bei Tag und besonders bei Nacht. Der Wenzelsplatz ist das Herz des modernen Prag, umgeben von Kinos, Hochhäusern, Geschäften, Büros, Restaurants, Hotels und Cafés. Der 750 Meter lange Prachtboulevard, früher oft dem Verkehrsinfarkt nahe, ist inzwischen nur noch mit Sondergenehmigung zu befahren und so eben für jeden Besucher der Stadt ein Genuss. Sicherlich haben die Schüler an diesem Abend auch schon die ganz besonderen Vorzüge Prags entdeckt, die kleinen Gassen, die gemütlichen Cafes und die urigen Kneipen mit richtig gutem Bier. Nach einer erstaunlich ruhigen und stressfreien Nacht gab es am Dienstag eine wirklich tolle Altstadtführung bei strahlendem Sonnenschein. Besonders deutlich wird die historische Pracht der Stadt am Altstädter Ring, man spürt, dass sich hier im Zentrum von Prag Kunst und Architektur eines jahrhundertelangen Zusammenlebens von Tschechen, Deutschen und Juden auf engstem Raum widerspiegelt. Auch die Karlsbrücke und die barock geprägte Kleinseite der Stadt wurden von den Schülern bestaunt. Das anschließende gemeinsame Mittagessen in einem Restaurant mit typischem böhmischen Essen (Knödel, Sauerkraut und Schweinebraten) konnte dann aber doch nicht alle Schüler wirklich überzeugen.
Am Mittwoch besuchten wir das rund 90 km entfernt gelegene . Während einer Führung und Besichtigung der Kleinen Festung in Theresienstadt erfuhren die Schüler mehr über die Geschichte der Stadt, die Lebensbedingungen im Getto und über die Haftbedingungen in der Kleinen Festung. Die ersten Häftlinge kamen 1940 in die Kleine Festung, die überwiegende Zahl der Häftlinge bestand aus Personen, die gegen das Naziregime opponierten. Besonders schwer war das Schicksal der inhaftierten Juden, für viele war die Kleine Festung nur eine Durchgangsstation in die Konzentrations- und Vernichtungslager der Nationalsozialisten.
Nach dem Abendessen stand dann ein Theaterbesuch auf dem Plan, gespielt und getanzt wurde Casanova im Theater Laterna Magica. Raffinierte Lichteffekte unterstützen die gespielte und getanzte Handlung des "Dramas" und machen so den Inhalt auch ohne Sprache verständlich. Die Resonanz der Schüler war jedoch eher gemischt. Am späten Abend erwartete uns am Hotel dann noch eine gewaltige Überraschung, für die wir bis heute nicht wirklich eine passende Erklärung gefunden haben. Ich beschreibe das Ereignis einfach mal so: Auto durchbricht zwei Glastüren im Eingangsbereich des Hotels und landet in der Vorhalle. Interessierte Leser sollten sich direkt mit betroffenen Zeugen in Verbindung setzen und sich den Vorfall schildern lassen.
Der Donnerstag, sicherlich ein Highlight der Woche. Zunächst die Besichtigung und Führung der Burg, die bei herrlichstem Wetter nicht imposanter hätte sein können. Das "steinerne Buch", wie die Prager Burg auch genannt wird, ist ein Gebäude mit imposanten Ausmaßen: 580 Meter lang, bis zu 200 Meter breit und rund 100 Meter hoch. Unter den 40 Herrschern, die in gut tausend Jahren hier residierten, wurde die Burg 30-mal angegriffen, mehrfach niedergebrannt und immer wieder aufgebaut. Die Faszination der Residenz böhmischer Könige und deutscher Kaiser ist in Prag allgegenwärtig.
Am Abend dann eine tolle Schifffahrt auf der Moldau, noch einmal die beeindruckende Kulisse der Stadt, dazu ein wunderbares Essen, als Dessert, man glaubt es kaum, ausgelassenes Tanzen auf dem Deck des Schiffes.
Am Freitag dann furchtbar frühes Aufstehen, trotzdem klappte der Zeitplan wie am Schnürchen, so dass wir dann pünktlich aber doch ein bißchen erledigt und müde bereits um 16.30 Uhr in Minden ankamen. Summa sumarum: es war eine tolle Woche!!!
|