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KulturScouts PDF Drucken E-Mail
  
Mittwoch, den 15. Dezember 2010 um 17:09 Uhr

KulturScouts 

KulturScouts auf den Brettern, die die Welt bedeuten

Die Klasse 8a der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule wurde  ausgewählt, an dem zweijährigen Projekt „Kultur Scouts OWL“ teilzunehmen. Ab Herbst 2010  sollen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Klasselehrerinnen Birgit Seiler und Beate Schweinsberger die Kulturlandschaft Ostwestfalen-Lippes ausspähen! 21 Kultureinrichtungen in OWL haben für dieses Projekt spezielle Veranstaltungen entwickelt. Die Kosten für die Veranstaltungen sowie die Fahrtkosten zu den jeweiligen Veranstaltungsorten und zurück werden für die KulturScouts-Klassen durch die Projektmittel, die sich aus der Landesförderung und Eigenanteilen des Kreises und der Stadt Bielefeld zusammensetzen, getragen!  Weder Lehrer noch Eltern oder Schüler müssen einen zusätzlichen Beitrag leisten! Die Klasse hat sich nun verpflichtet, innerhalb von zwei Jahren an 4 KulturScouts- Programmen teilzunehmen. Am Mittwoch brach die Klasse  zum Landestheater Detmold auf und nahm an der ersten Veranstaltung „Faust baut auf!“ teil. 

Nächste Station: Detmold. Das erste Ziel des heutigen Tages ist das Landestheater. Einen kurzen Fußmarsch vom Bahnhof entfernt sehen wir vor dem Bühneneingang bereits die Theaterpädagogin Frau Bertram stehen, die die Klasse mit einem kleinen Warm-up in Empfang nimmt. Vorsichtshalber weicht eine Schülergruppe gleich ein paar Schritte zurück. Hier muss erst einmal ausgelotet werden, ob das auch cool ist.

Dann stellt sich Mohamed Ahmed vor, der die Klasse in das Theater führt. Auf die Fassaden des Innenhofes sind verschiedene Figuren aus den unterschiedlichen Werkstätten des Hauses gemalt. Schon beim ersten Blick durch die beleuchteten Fenster kann man das arbeitsame Leben hinter der Bühne erahnen. Herr Ahmed führt die KulturScouts in die fast 200jährige Geschichte des Theaters ein. Von der Bühne aus geht der Blick zunächst in die festlichen Ränge des Theaters hinauf. Wo saßen der Fürst und seine Frau? Zu beiden Seiten der Bühne gibt es viele technische Details zu sehen. Hier steht bei jeder Aufführung die Feuerwehr und das ist der Platz der Souffleuse. Und was ist eigentlich die Aufgabe eines Inspizienten?

„Jetzt ist die letzte Chance für eine kleine Aufführung auf der Bühne - für jeden, der will.“ Ein Schüler würde wohl auf der Suche nach dem nächsten Supertalent in die Jury gehen, so als Dieter Bohlen. Aber ein Stück spielen, jetzt so ohne Vorbereitung? Unmöglich! „Das zum Beispiel muss ein guter Schauspieler können,“ sagt Herr Ahmed „Er muss spontan sein.“ Der Weg führt die KulturScouts in die Malerwerkstatt. Hier sind die Vorbereitungen für die nächste Aufführung in vollem Gange. Es riecht nach Lösungsmitteln und frischer Farbe. Über tausend Blätter werden hier gerade von Hand bemalt. Auf dem Boden liegt ein Teil des nächsten Bühnenbildes. Nebenan werden die Pigmente in farbig markierten Schubladen aufbewahrt. In großen Eimern werden sie hier zu den gewünschten Farben angerührt. Überall sieht es nach Arbeit und kreativem Chaos aus: ein seltsames Bild an der Wand ist dadurch entstanden, dass über Jahrzehnte die erste Farbe am Pinsel darauf abgestrichen wurde. In der Holzwerkstatt riecht es schon etwas angenehmer, finden die KulturScouts. Sie schlüpfen in den Kleiderfundus, einen „begehbaren Kleiderschrank“ riesigen Ausmaßes. Anders als im „richtigen Leben“ ist der beim Theater nämlich für die Männer viel größer als für die Frauen. Die besonders interessierten jungen Damen dürfen noch einen kurzen Blick in die Kostümbildnerei werfen. So viel Zeit muss sein.

Nun geht es für die KulturScouts weiter zur zweiten Station: ins Kaschlupp! Unter Anleitung von Frau Bertram und Herrn Brandt teilt sich die Klasse hier in zwei Gruppen, in denen die Workshops mit unterschiedlichen Aufwärm- und Reaktionsübungen beginnen, wie Schauspieler sie am Theater regelmäßig machen. Mit „Zip!“, „Zap!“, „Boing!“ und „Action!“ werden unterschiedliche Befehle in den Kreis geworfen, mit denen jeder bestimmen kann, ob ein Klatscher nach links oder rechts weitergegeben wird, an ihm abprallt oder ob alle sich so schnell wir möglich einen neuen Platz im Kreis suchen müssen. Tempo, Tempo! Die KulturScouts lernen: richtig schnell klappt das nur, wenn wirklich jeder im Kreis hellwach und dabei ist. Nebenan geht die Gruppe in unterschiedlichen Schnelligkeitsstufen durch den Raum, wild gemischt und durcheinander kreuzen sich die Wege. Auf Signal stoppen alle auf der Stelle. Jetzt die Augen schließen. Wahrnehmen, fühlen, wo steht gerade jemand hinter, neben oder vor mir? Was kann ich hören – hier drinnen oder ganz entfernt draußen, laut oder nur ganz leise? In zwei Kleingruppen sollen die KulturScouts nun hintereinander drei Figuren darstellen. Gar nicht so leicht. Wie soll man zu sechst eine alte Frau sein? „Ich bin die Handtasche!“ – „Ich bin der Gehstock!“ – „Dann bin ich der Dackel.“ So kann’s gehen. Beide Gruppen treten nun in einer Art performativem Ching Chang Chong gegeneinander an: Der Löwe frisst die Alte Frau, der Samurai-Kämpfer tötet den Löwen, die Alte Frau erschlägt den Samurai-Kämpfer mit ihrer Handtasche. Die Verlierergruppe muss jedes Mal einen Mitspieler einbüßen, solange bis nur noch eine Gruppe da ist. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen!

Nach einer kurzen Pause tragen nun alle KulturScouts noch einmal zusammen, welche Berufe es rund ums Theater gibt und was sie gerne wären, wenn sie beim Theater arbeiten würden. „Als Regisseur entscheidet man, wie eine Szene aussehen soll.“ Das ist die nächste Aufgabe. In Dreiergruppen stellen die KulturScouts nach einer in der Schule vorbereiteten Textvorlage, ihre individuelle Interpretation von Faust-Szenen nach. Einer von dreien ist der Regisseur und trifft die Entscheidung, die von den anderen beiden umgesetzt werden soll. Das kann hier und da schon mal für leichten Unmut sorgen. Aber nach einer intensiven Arbeitsphase haben alle ihr Bild gefunden und stellen es am Ende der gesamten Gruppe vor.

„Auf jeden Fall werden die Schüler nach ihren Erfahrungen hier beim nächsten Theaterbesuch mit ganz anderen Augen auf die Bühne schauen,“ freut sich die Lehrerin Frau Seiler. Und für den Unterricht hat sie gleich eine neue Idee: „Demnächst lernen sie, wie man einen Bericht schreibt. Warum also nicht einen Artikel über den Tag im Kaschlupp! für die Zeitung schreiben?“

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Aktualisiert ( Samstag, den 18. Dezember 2010 um 15:51 Uhr )