KTG-Minden

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Sonntag, den 19. Oktober 2008 um 10:32 Uhr

Mindener Tageblatt

Bericht des Mindener Tageblattes von Carsten Korfesmeyer (17.10.2008)

Verständnis anderer Kulturen gefordert

Pädagoge und Diplom-Psychologe Otto Herz fordert für Abiturienten Auseinandersetzung mit Religion

Otto Herz (Mitte) überreicht eine goldene Taube als Friedenssymbol an die Lehrer Oliver Rehberg (l./Ratsgymnasium) und Klaus Lindemann (Kurt-Tucholsky-Gesamtschule).(Foto: mt, Carsten Korfesmeyer)Minden (cko). Das war keine normale Ausstellungseröffnung. Es fielen weder blumige Worte noch oberflächliche Lobhudeleien. Dafür Sätze mit Tiefgang, die für Toleranz und Auseinandersetzung mit allen Religionen warben. Genau so, wie "Weltethos" es will.
Foto Carsten Korfesmeyer(mt):
Otto Herz (Mitte) überreicht eine goldene Taube als Friedenssymbol an die Lehrer Oliver Rehberg (l./Ratsgymnasium) und Klaus Lindemann (Kurt-Tucholsky-Gesamtschule).

Mit dem Projekt soll die Welt besser werden. Das ist leicht gesagt, aber schwer getan. Unterschiedliche Anschauungen machen dem perfekten Zusammenleben immer wieder einen Strich durch die Rechnung. "Weltethos" setzt auf das gegenseitige Verständnis. Und dieses soll nicht nur gesagt, sondern verinnerlicht werden.

Diese Verinnerlichung kann auch durch Bilder entstehen, die eine Ausstellung in der Petrikirche zeigt. Bis zum 11. November können die Werke der Ratsgymnasiasten in der Petrikirche betrachtet werden. Diese sind meist abstrakt, senden aber eine klare Botschaft: Man darf die Augen vor Problemen nicht schließen - und muss gegensteuern.

Mit verschiedenen Darbietungen wurde diese Kernthese in der rund 90-minütigen Veranstaltung immer wieder untermauert. Das gelang zwar, aber keinem so eindrucksvoll wie Otto Herz. Der bekannte Pädagoge und Diplom-Psychologe brachte das komplizierte Thema prima auf den Punkt. "Niemand darf Abitur machen, ohne sich mit der Religion eigenständig auseinander gesetzt zu haben", sagte er.

Religionen haben nach seinen Worten einen enorm hohen Stellenwert für das gesellschaftliche Miteinander. Um dem Weltethos-Ziel näher zu kommen, müssen die Menschen aber auch über den Tellerrand hinausschauen. "Nur so lernt man Verständnis für andere Kulturen."

Um Weltethos zum Erfolg zu führen, gab er den Gästen in der rappelvollen Petrikirche vier so genannte Impulse mit auf den Weg. Und über die dürften die Zuhörer noch lange nachdenken, denn: Herz will, dass an Schulen gefeiert wird. "An der Art wie gefeiert wird, erkennt man die Schulkultur." Zweitens sprach er sich dafür aus, dass jeder Schüler ein Jahr in einem anderen Kulturkreis lebt. Der dritte Impuls löste Raunen aus. "In einem Lehrerkollegium sollten drei bis fünf Personen sein, die einen anderen Kulturkreis repräsentieren."

Den vierten Impuls nannte er die wichtigste Bürgerpflicht - und meinte damit Zivilcourage. "Wir brauchen mutige Menschen." Für Herz ist die Schule der ideale Ort, um diese Werte zu erhalten - und um Vergleiche mit unterschiedlichem Denken zu ziehen.

Die Verantwortlichen vom Ratsgymnasium und von der Kurt-Tucholsky-Gesamtschule (KTG) hatten diese Aspekte mehrfach aufgegriffen. 30 Schüler aus 30 Nationen bildeten das Ensemble der KTG-Gospel-Singers, die unter anderem auf die vielen Konflikte dieser Welt aufmerksam machten. Superintendent Jürgen Tiemann und Bürgermeister Michael Buhre hielten symbolisch ein gemeinsames Grußwort. Beide machten sich ihre Weltethos-Gedanken. "Gesetze reichen nicht aus. Damit es nicht nur beim geschriebenen Wort bleibt, braucht es Überzeugungsarbeit", sagte der Verwaltungschef.

Ein dickes Lob haben besonders Leandra Meyer und Stefan Rhiel verdient. Die Schüler moderierten souverän durch den Abend, der viele Programmpunkte hatte.

Aktualisiert ( Samstag, den 08. November 2008 um 16:00 Uhr )