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Mein Nachruf PDF Drucken E-Mail
  
Sonntag, den 04. Mai 2008 um 16:14 Uhr

Mein Nachruf

Auf eine Rundfrage
Wie mein Nachruf aussehen soll, weiß ich nicht. Ich weiß nur, wie er aussehen wird. Er wird aus einer Silbe bestehen.

Pappa und Mamma sitzen am abgegessenen Abendbrottisch und vertreiben sich ihre Ehe mit Zeitungslektüre. Da hebt Er plötzlich, durch ein Bild von Dolbin erschreckt, den Kopf und sagt: «Denk mal, der Theobald Tiger ist gestorben!» Und dann wird Sie meinen Nachruf sprechen. Sie sagt: «Ach -!»

KURT TUCHOLSKY
haßt: das Militär - die Vereinsmeierei - Rosenkohl - den Mann, der immer in der Bahn die Zeitung mitliest - Lärm und Geräusch - Deutschland
liebt: Knut Hamsun - jeden tapfern Friedenssoldaten - schön gespitzte Bleistifte - Kampf - die Haarfarbe der Frau, die er gerade liebt - Deutschland

DANACH
Es wird nach einem happy end im Film jewöhnlich abieblendt. Man sieht bloß noch in ihre Lippen den Helden seinen Schnurrbart stippen da hat sie nu den Schentelmen. Na, un denn -?

Denn jehn die beeden brav ins Bett. Na ja ... diß is ja auch janz nett. A manchmal möcht man doch jern wissn: Wat tun se, wenn se sich nich kissn? Die könn ja doch nich imma penn ... Na, un denn -?

Denn säuselt im Kamin der Wind. Denn kricht det junge Paar 'n Kind. Denn kocht sie Milch. Die Milch looft üba. Denn macht er Krach. Denn weent sie drüba. Denn wolln sich beede jänzlich trenn ... Na, un denn

Denn is det Kind nich uffn Damm. Denn bleihm die beeden doch zesamm. Denn quäln se sich noch manche Jahre. Er will noch wat mit blonde Haare: vorn doof und hinten minorenn ... Na, un denn -?

Denn sind se alt.
Der Sohn haut ab. Der Olle macht nu ooch bald schlapp. Vajessen Kuß und Schnurrbartzeit Ach, Menschenskind, wie liecht det weit! Wie der noch scharf uff Muttern war, det is schon beinah nich mehr wahr! Der olle Mann denkt so zurück: wat hat er nu von seinen Jlück? Die Ehe war zum jrößten Teile vabrühte Milch un Langeweile. Und darum wird beim happy end im Film jewöhnlich abieblendt.